Kennen Sie die folgende Geschichte? Wenn nicht, dann kennen Sie sicher jemanden, der sie kennt...
Herr Schulz, 55 jähriger geschäftsführender Gesellschafter eines mittelständischen Maschinen- und Anlagenbauunternehmens aus Niedersachsen, muss in eine neue CNC Maschine investieren, um am Markt weiterhin konkurrenzfähig operieren zu können, da sein Maschinenpark mittlerweile veraltet ist. Daneben muss er hierfür einen versierten Mitarbeiter neu einstellen und einen vorhandenen Mitarbeiter weiterbilden lassen. Nach Vorlage verschiedener Angebote konsultiert er seinen Steuerberater und fragt, welche Maschine aus dessen Sicht wirtschaftlich am sinnvollsten sei. Außerdem fragt er ihn, ob er schon einmal etwas von Fördermitteln gehört habe, denn er habe neulich so einen Artikel in der Branchenzeitschrift gelesen. Ach, antwortet der Steuerberater, das trifft für Sie sowieso nicht zu.
Anschließend geht der Unternehmer zu seiner Bank, da er die Anschaffung fremd finanzieren muss. Auf seine Frage nach der Inanspruchnahme möglicher Fördermittel geht der Banker gar nicht erst ein. Stattdessen stellt er die Gegenfrage, ob im "fortgeschrittenen Alter" des Unternehmers eine solche Investition überhaupt noch sinnvoll sei und ob er schon einmal an eine Nachfolge gedacht habe. Auf erneute Rückfrage, ob denn nicht doch Fördermittel möglich und interessant sein könnten, erwidert der Banker, dass für sein Vorhaben die bankeigenen Finanzierungsmittel viel attraktiver seien. Aber aufgrund seines Alters und unter Berücksichtigung der aktuellen Bewertung seiner Sicherheiten könne einer Finanzierung leider nur entsprochen werden, wenn zusätzliche Sicherheiten zur Verfügung gestellt würden und die Laufzeit der Finanzierung maximal der Abschreibungsdauer der Maschine entspräche. Zudem sei leider auch ein Risikoaufschlag auf den Zinssatz unumgänglich, und zwar wegen der eben genannten Faktoren und unter Berücksichtigung von Basel II. Da der Unternehmer keine adäquate Alternative hat, unterzeichnet er den Kreditvertrag.
Ein halbes Jahr später trifft er auf einem Empfang einen alten Studienkollegen, der mittlerweile für eine Wirtschaftsförderungsgesellschaft tätig ist. Der Unternehmer berichtete ihm von seinem Fall.
Tja, antwortet sein Bekannter, es tut mir leid, dir das sagen zu müssen, aber du hättest für die Anschaffung der Maschine einen Zuschuss von etwa 15% erhalten können. Zudem wäre die Finanzierung zum Teil über ein öffentliches Förderdarlehen möglich gewesen, was einen geringeren Zinssatz bedeutet hätte. Eventuell wäre auch eine Haftungsfreistellung denkbar gewesen. In jedem Fall wären die Weiterbildung des Mitarbeiters und die Einstellung eines erfahrenen älteren Mitarbeiters gefördert worden.
Verärgert erwidert der Unternehmer, dass er von den bestehenden Möglichkeiten bedauerlicherweise keine Kenntnis hatte...
Dieser Fall schildert die Situation innerhalb Europas und Deutschlands hinsichtlich des Themas Förder- und Subventionsmittel auf bezeichnende Art und Weise. Es herrschen sehr oft Unkenntnis und völlige Intransparenz. Die Gründe hierfür sind vielschichtig. Das Lexikon soll Transparenz schaffen, die wichtigsten Hintergrundinformationen aufzeigen und als Nachschlagewerk dienen. So erhalten Interessierte, Bildungseinrichtungen, klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU) die notwendigen Basisinformationen darüber, welche Möglichkeiten überhaupt bestehen, was zu bedenken ist, welche Anforderungen erfüllt werden müssen und wo weitere Informationen verfügbar sind.